Die Burg 

Grundsätzlich bezeichnet die Burg einen befestigten Wohnsitz. Als Ursprünge kann man die germanischen Fluchtburgen und die römischen Befestigungen ansehen. 
Diese althergebrachten Vorbilder wurden noch durch die fränkischen Gutssitze und Befestigungen ergänzt. Den Höhepunkt des Burgenbaus erlebten wir im 12. und 13. Jahrhundert. 
Ab dem 15. Jahrhundert wandelt sich die Burg stark. Der militärische Nutzen tritt überall zurück und der Wohncharakter wird wichtiger, es beginnt die Trennung der Burg in Festung und Schloss. 

Etwas verwirrend ist, dass viele Begriffe aus dem Früh- und Hochmittelalter wie burg, burc, castellum oder burgus, zu Beginn synonym verwendet werden. Erst als im 12. Jahrhundert sich der Begriff stat für Stadt einbürgerte, ist eine zweifelsfreie Unterscheidung in Stadt und Burg möglich. Daher auch die Bezeichnung eines Stadtbewohners als Bürger, bzw. den Burgfried der nicht nur eine Gebäude bezeichnet, sondern auch den Gültigkeitsbereich eines Stadtrechtes. 
Der Grund dafür, dass Burg und Stadt in dieser Zeit praktisch dasselbe ist, liegt an der unruhigen Zeit. Größere Siedlungen waren ungeschützt eine leichte Beute, weswegen eben gerade Burgen als ein Anziehungspunkt wirkten. Und es ist in unseren Breiten auch kein Zufall weshalb sich gerade die alten Römerstädte und Legionslager als die ersten Kristallisationspunkten der sich bildenden Staaten anboten. 

Ursprünglich ist der Burgenbau ein königliches Privileg, was auch erklärt warum es im Frühmittelalter erst so spät zum Burgenbau kommt. 
Mit dem friedlosen 9. Jahrhundert ändert sich das allerdings schlagartig. Mit der Zunehmenden Unsicherheit, beginnen Bischöfe und Herzöge, aber auch Markgrafen und später auch Grafen damit, Burgen zum Schutz vor Überfällen zu errichten. Bei Markgrafen oder Herzögen konnte dies durchaus zum Schutz des Landes in ihre Zuständigkeit fallen. Darüber hinaus war der Bau einer Befestigung auf adeligem Privatbesitz, dem so genannten Allodialbesitz, gar nicht zu verhindern, da sich das Burgregal des Königs nur auf das freie Land bezog. 
Vor allem die Ungarneinfälle werden im Deutschen Reich wie ein Brandbeschleuniger wirken, da in dieser Zeit der Burgenbau nachdrücklich gefördert wurde. 

Schon Karl der Große hatte in Sachsen damit begonnen, das neue Land mittels Befestigungen zu sichern. 
Später wird Otto der Große dem Burgenbau noch einmal einen Schub geben indem er durch die Burgwardverfassung neue Impulse gab. Dadurch wurde vorgeschrieben, dass neue Markgrafschaften schon mit Burgen zu errichten waren. Es war also nicht mehr frei gestellt ob man Burgen zu Schutz und Verwaltung errichten wollte sondern ab da an Voraussetzung. Schon seit Vater Heinrich I. Hatte aus dem selben Grund den Burgenbau voran getrieben. 

Eine rechtliche Sonderstellung hatten die Reichsburgen. Sie unterstanden alleine dem König/ Kaiser und waren aus karolingischen Befestigungen hervorgegangen. 

Adelsburgen waren ebenfalls eine Besonderheit. Diese wurden, wie schon erwähnt, auf Privatgrund errichtet. Diese dienten ausschließlich dem Schutz des Adeligen, seiner Familie und seinem Gefolge. Im Laufe des Hochmittelalters werden jedoch viele dieser Burgen auch zu Verwaltungszentren ausgebaut. Auch so konnten fiskalische und gerichtliche Belange an einem Ort konzentriert werden, was wiederum die Herrschaft stärkte. 

Gebaut wurde im Frühmittelalter zuallererst mit Holz und Erde. Deshalb liest man in der Anfangszeit auch oft von niedergebrannten Burgen, was bei Steinbauten doch deutlich schwieriger gewesen wäre. 
Diese frühen Bauten werden Motte, nach dem französischen la mot für Hügel, genannt. Diese Motten waren auf natürlichen oder künstlichen Hügeln errichtet worden. In seiner einfachen „Grundform“ bestand er aus einem Graben, danach ein Palisadenzaun und in der Mitte ein, meist quadratischer, Holzbau der sowohl als letzter Zufluchtsort wie auch als Aussichtsturm diente. Das Erdreich, welches beim Aushub anfiel wurde genutzt um einen künstlichen Hügel anzulegen, wenn keine natürliche Erhebung nutzbar war. Auf diese Weise konnten große Gebiete überwacht und kontrolliert werden. Der große Vorteil dieser Bauweise war, dass sie sehr schnell zu errichten war. Ihr Nachteil, dass sie in Brand geschossen werden konnte. 
Mit Stein wurde äußerst selten und nur da gebaut wo er schon vor Ort war, wie eben in den alten Römerstädten. 

Erst ab ca. 1000 beginnt man immer mehr mit Stein zu bauen. Man musste zwar sprichwörtlich steinreich sein um es sich leisten zu können, doch boten diese auch umso mehr Schutz. Man darf dabei nicht übersehen, dass an vielen Burgen über Jahrhunderte hinweg gebaut wurde. 

Dieser Schutz wurde ja auch durch die fortgeschrittene Militärtechnik notwendig. Denn die Verbreitung von Katapulten machte Holzbauten schließlich zu einem leicht zu überwindenden Hindernis. 

Eine weitere Besonderheit entstand im Norden. Dort, wo Stein selten und damit noch teurer war als üblich, ersann man im Hochmittelalter die Bauweise mittels Ziegeln. Das wohl berühmteste Beispiel dieser Bauweise ist die Marienburg, der einstmalige Sitz des Hochmeisters des Deutschen Ordens in Preußen. 

Dabei bevorzugte man zunächst leicht zu verteidigende Lagen, wie einen Felssporn oder an einem Flusslauf wie die Burg Ramingstein im Salzburger Land oder das Kloster Säben in Tirol. Im Flachland konnte die Lage mittels Burggraben schnell sicherer gemacht werden. Oder man nutzte schon bestehende Inseln oder Halbinseln. 

Auch an wichtigen Orten wurden diese erbaut, um beispielsweise Wege oder Brücken zu sichern. Und nicht selten verfügten hohe Herren über eine eigenen Burg in den Städten. 
Dabei konnten solche Burgen durchaus auch zum Kristallisationspunkt für Städte werden, wie dies bei meiner Geburtsstadt Salzburg der Fall war. Dort lockte die Bischofsburg schließlich Handwerker und Händler an, was zum Entstehen der Bürgerstadt vor dessen Toren führte. Gleichzeitig bot sich auch Schutz in gefährlichen Zeiten. Gerade zu Beginn der Siedlungsgeschichte eines Ortes lebten zunächst viel zu wenig Menschen vor Ort um umfangreicherer Baumaßnahmen wie Mauern und Tore zu rechtfertigen. 

Auch Reichsburgen konnten so eine dominante Rolle für einen Ort spielen. Viele wurden an strategisch günstigen Orten erbaut um Gebiete, Straßen oder Flussübergänge zu sichern. Auch die Pfalzen der Könige wurden mit der Zeit befestigt und zu Burgen ausgebaut. Diese Mischung aus Hofstaat, Verwaltung, Militär und den Grundbedürfnissen der Menschen vor Ort führte gerne zum Anwachsen eines Ortes bis er die Größe einer Stadt erreichte. War einmal eine bestimmte Größe erreicht wurde die Siedlung auch aktiv gefördert. Dies konnte mittels Markt- oder Münzrechten geschehen, die dem Ort eine überregionale Bedeutung verliehen und dann auch vermehrt Kaufleute anzog. 
Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist Nürnberg. 

Weitere Beispiele von Städten die sich aus Burgen/ Pfalzen entwickelt haben wären Aachen, Bamberg, Brandenburg, Graz, Hamburg, Kaiserslautern, Linz, Magdeburg, Wels oder Zürich. 

Abschließend lässt sich sagen, dass es „die Burg“ nicht gibt. Wie oben angedeutet richtete sich der Bau nach den Möglichkeiten und den Gegebenheiten. 
Es lassen sich in Summe lediglich drei Merkmale herausarbeiten die tatsächlich in allen diesen Befestigungen vorhanden waren. Weniger vom Aussehen als vom Prinzip her. Diese drei sind, eine Mauer, ein Burgfried/ Palas und Wirtschaftsgebäude. 
Die Mauer erklärt sich von selbst, denn eine Befestigung ohne Mauer ist ein leichtes Opfer da sie einer militärischen Bedrohung nichts entgegenzusetzen hat. Gerade der militärische Aspekt ist es ja der die Burg erst zur Burg macht. 
Der zweite Punkt betrifft den Wohnort. Der Burgherr musste ja mit seiner Familie und seinem engsten Gefolge an einem Ort wohnen können. Dies war in seiner einfachsten Ausprägung ein einfacher Wohnturm, Berg- oder Burgfried genannt. 

Im Hochmittelalter werden diese Bauten dann oftmals zu einem Palas umgebaut, der deutlich komfortabler war. Dabei blieben dann die Bergfriede, wenn nicht mehr als Wohnturm genutzt, als Beobachtungsturm stehen. 
Ein dritter Punkt sind die „Wirtschaftsgebäude“. Im Fall einer Belagerung mussten ja Proviant und Waffen vorhanden sein. Auch Pferde, Knechte und Soldaten mussten eine Unterkunft haben. Und auch Küche und Schmiede sind in dieser Zeit unverzichtbar. 

Darüber hinaus jedoch gleicht kaum eine Burg der anderen, was auch die Faszination bis heute ausmacht. 
Im 16. Jahrhundert trennen sich schließlich endgültig der militärische Bereich vom Wohnbereich, Festung und Schloss entstehen. Doch das ist eine andere Geschichte.

Bildliche Darstellungen 

Beispiel eines Herrensitzes 

Beispiel für eine Motte des Frühmittelalters

Beispiel für eine Hochmittelalterliche Burg

Darstellung Salzburgs in der Schedelschen Weltchronik, ca. 1460. 

Literatur- und Weblinkverzeichnis: 

- Baeriswyl, Armand und Niederhäuser, Peter (Hrsg). Zeugen vergangener Macht und Herrschaft: Schweizer Burgen und Schlösser vom Mittelalter bis heute. Schweizerischer Burgenverein. Basel 2017.
- Biller, Thomas und Großmann, G. Ulrich (Hrsg). Burg und Schloss: Der Adelssitz im deutschsprachigen Raum. Wissenschaftliche Buchgesellschaft. Darnstadt 2002.
- Heeg, Laura (Hrsg). Historisches Museum der Pfalz. Ausstellung Die Salier. Macht im Wandel. Speyer 2011. Ed. Minerva. München 2011.
- Holdorf, Martina und Zeune, Joachim (Hrsg). Adelskulturen auf Burgen: Kolloquium des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Burgenvereinigung. Brixen 2017. Deutsche Burgenvereinigung e.V. Braubach 2019.
- Lieb, Stefanie (Hrsg). Burgen im Alpenraum. Michael Imhof Verlag. Petersberg 2012.
- Wartburggesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern e.V. (Hrsg). Forschungen zu Burgen und Schlössern Band 17. Die Burg in der Ebene. Michael Imhof Verlag. Petersberg 2017.
- Weithman, Michael W. (Hrsg). Burgen und Schlösser in Niederbayern: Führer zu Burgen und Schlössern im Bayerwald, zwischen Donau, Isar und unterem Inntal. Attenkofer Verlag. Straubing 2013.


Weiterführende Links:
- https://ahha.at/ Verein Historische Gebäude Österreich
- https://burgenverein.ch/ Schweizerischer Burgenverein
- https://www.deutsche-burgen.org/ Deutscher Burgenverein e.V.
- https://wartburggesellschaft.de/ Wartburggesellschaft e.V.